Formula Student Hungary 2016 im Rückblick

Kurzfassung: Wir wollten in allen Bereichen VIIIEL mehr Punkte als in Spielberg

Spoiler: Es ist uns gelungen! 

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Ausgangssituation

Nach der erfolgreichen Teilnahme am Bewerb in Spielberg, hatten wir 10 Tage Zeit, alles für den nächsten Bewerb in Györ/Ungarn, vorzubereiten. Während die Dynamics Crew ausgiebig testete, um auch kleinste Probleme auszumerzen und endlich in den Genuss eines voll betriebsbereiten Motors kam, war das Statics Team damit beschäftigt das Feedback aus Spielberg einzuarbeiten, und den Real Case vorzubereiten. 

Und da ging es richtig zur Sache:

Der Real Case bestand aus drei Teilen, welche zuerst recherchiert, und dann auf Flipchart gebracht werden mussten. Außerdem musste die Präsentation vorbereitet und eingeübt werden. Beim Business Plan wurde die komplette Präsentation überarbeitet, eigene Videos gedreht, neue Videos erstellt (vielen Dank Fabian Bottesch), und ein 20-seitiges Handout in „bestem“ Englisch vorbereitet. Am Tag vor der Anreise wurde nochmals ausgiebig unser CR116 getestet, wo auch unsere neuen Freunde aus Posen (PUT Motorsport) mit dabei waren, und wir uns von deren technischer Kompetenz anhand des „WILDA“ überzeugen konnten. Am Abend wurde schließlich noch eingepackt und alles für die Abreise am nächsten Tag, nach Ungarn, vorbereitet.

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Mittwoch Anreise:

Die Stadt Györ ist nur etwa 1,5 Stunden von Wien entfernt, sodass die Anreise eine recht flotte Angelegenheit war. Vor Ort ging es dann an den Bezug der Unterkunft, wo wir gleich einmal mit den mangelnden Sprachkenntnissen der Rezeptionisten unsere helle Freude hatten. Schließlich ging alles gut, und wir konnten trotz einiger Herausforderungen in der Verständigung – es musste erst jemand aufgetrieben werden, der Englisch spricht – unsere Zimmer im Hostel beziehen. Der andere Teil des Teams war indessen direkt zum Eventgelände, das etwa 10km von der Unterkunft entfernt lag, gefahren, um sich dort in die Schlange für eine gute Nummer für. Alles ging gut, und wir konnten mit Nummer 17 eine recht gute Ausgangsposition für den nächsten Tag erhaschen. Als nächstes räumten wir die Box ein, und bereiteten alles für die nachfolgenden Tage vor. Am Abend erkundeten wir die lokale Infrastruktur und den FSH-Club, unsere wichtigste Abendbeschäftigung für die nächsten Tage. Nach einem kurzen Teammeeting ging der Großteil des Teams schlafen, um für die Aufgaben von Tag 1 ausgeschlafen zu sein.

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Donnerstag Tag 1: Technische Abnahme (Scrutineering)

Gegen Mittag startete die technische Abnahme. Aufgrund unser guten Arbeit im Vorfeld des Bewerbs kam es zu keinen Beanstandungen, sodass der mechanische Teil des Scrutineerings schnell abgeschlossen werden konnte. Danach kamen wir zum Tilt Test. Hier kam es dann zu einem bedauerlichen Zwischenfall: Während unser Fahrer das Lenkrad festhielt, kam es zu einer einseitigen Belastung an der Vorderachse, sodass durch das entstandene Moment die Lenksäule brach. Aufgrund dessen funktionierte die Lenkung nicht mehr. Unsere bis dahin erreichten Aufkleber für bestandene Abnahme und Tilt Test wurden umgehend wieder entfernt, sodass wir wieder am Anfang standen.

Nun begannen fieberhafte Versuche eine Drehbank für die Fertigung der neuen Lenksäule aufzutreiben. Nachdem wir an einer Drehbank der Uni Györ erst am Abend zu Werke hätten gehen können, improvisierten unsere Fertigungsprofis um Luuuukas (Lukas Streinzer), Krombi (Florian Kronberger) und Philipp „The Mautiman can“ Mautner eine „Drehbank“ aus einem Akkuschrauber als Antrieb und einem in einen Schraubstock eingespannten Rohr als Führung. Mit Feilen wurde sodann die Ersatzlenksäule auf Maß gearbeitet und im Laufe des Nachmittags wieder in den CR116 eingebaut. Die Zeit war jedoch schon so weit fortgeschritten, dass wir in Kürze das Eventgelände verlassen mussten, und so bekamen wir von den Judges nur mehr die Zusage, dass wir am nächsten Morgen gleich die Aufkleber für die bestandenen Tests erhalten würden. Den Abend verbrachten wir dann im FSH-Club, wo wir bei ein paar kalten Getränken die Erlebnisse des Tages zu verarbeiten suchten. Mittlerweile war durch die Anreise von Yogi Bea (Bea Brunner) auch das Team Statics vollzählig und es ging an die Vorbereitung des kommenden Tages.

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Freitag Tag 2: Business Presentation, Engineering Design Report, Cost Report, Brake-, Noise-, Tilt-Test

Tag 2 startete gleich am Morgen mit den statischen Bewerben. Die Business Presentation war bereits für 9:30 angesetzt, und so arbeiteten alle Beteiligten noch fieberhaft daran, alles Notwendige rechtzeitig fertigzubringen. Dank unserer Freunde von der TU Wien (TU Wien Racing) und der Event Control (Mark Engelhardt) konnten wir auch unser Handout noch zeitgerecht fertigstellen, sodass einer erfolgreichen Präsentation nichts mehr im Wege stand. Wir erhielten sehr gutes Feedback von den Judges. Das Team Cost Report rund um Coco (Corinna Epple) bereite sich indessen auf die Präsentation desselben, sowie des Real Case vor. Auch diese beiden Angelegenheiten konnten ebenso sehr zufriedenstellend erledigt werden, sodass vor Mittag noch der Engineering Design Report erfolgreich absolviert wurde, und wir zufrieden in die Mittagspause gingen. Am Nachmittag wurden dann die noch offenen Punkte der technischen Abnahme ebenfalls ohne Schwierigkeiten abgeschlossen, sodass wir sogar noch ein paar Testrunden im Regen einlegen konnten. Beim Teammeeting am Abend, überraschenderweise wieder im FSH-Club, wurden die Herausforderungen für die am nächsten Tag folgenden dynamischen Bewerbe besprochen. Das  Statics Team feierte die erfolgreich absolvierten Bewerbe noch ausgiebig, während sich Werkstatt und Fahrer für den nächsten Tag ausschliefen.

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Samstag Tag 3: Acceleration, SkidPad, Autocross

Beginnend mit Acceleration startete das Dynamics Team in den Tag. Unsere Fahrer Harry (Harald Frey) und Ralf (Ralf Schweiger) konnten die Zeit von Spielberg um fast 2 Sekunden verbessern, sodass sie für die 75m nur etwa 4,3 Sekunden benötigten. Ganz eindeutig ein Niederschlag der seit Spielberg deutlich besseren Motorleistung. Beim SkidPad (Achterfahren) wurde von den beiden eine Zeit von 5,123 erreicht, mit der wir uns wie bei Acceleration im soliden Mittelfeld platzieren konnten.

Am Nachmittag stand schließlich Autocross auf dem Programm. Unsere beiden Fahrer Krombi (Florian Kronberger) und Jojo (Johannes Meixner) gaben ihr Bestes für eine gute Platzierung. Was ihnen auch gelang. Wir konnten uns im oberen Mittelfeld platzieren, und uns so eine gute Ausgangsposition für den Endurance Bewerb am Folgetag sichern.

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Sonntag Tag 4: Endurance, Abschlussparty

Das Team war schon früh bereit, um die Fahrer lautstark bei Endurance zu unterstützen. Während die ersten Teams ihre Runden drehten zogen schon dunkle Regenwolken auf, wir hofften jedoch noch auf ein Rennen im Trockenen. Das Eventmanagement hatte wetterbedingt bereits die Mittagspause auf eine halbe Stunde verkürzt, um dadurch vielleicht halbwegs gleichbleibende Bedingungen für alle Teams zu gewährleisten. Nach einigem hin und her wurde unseren Fahrern ein Start als letztes Team vor der Mittagspause zugesichert, wodurch unsere Hoffnungen auf eine Fahrt im Trockenen sicher schienen.

 

Leider hatten wir uns aber zu früh gefreut, denn ein Unfall des Fahrzeugs vom Arrabona Racing Team (Startnummer 79) der Uni Györ führte zu einer längeren Unterbrechung, leider unmittelbar vor unserem Start. Zum Glück erlitt bei diesem Zwischenfall keine Person ernsthafte Verletzungen, sodass, bis auf den Sachschaden am Auto und an einer Red-Bull Reklame, nichts Gravierendes passierte.

 

Unser Start wurde jedoch auf nach der Mittagspause verschoben, und wie es der Wettergott nun mal wollte, begann es zu regnen. Der kurze Regen war zwar nicht ergiebig, reichte aber aus, um den Einsatz von Regenreifen notwendig zu machen. So startete Jojo nach der Mittagspause auf feuchter Strecke ins Rennen. Bedingt durch den rutschigen Untergrund konnte er den Wagen nicht wie gewohnt an den Leistungsgrenzen bewegen, wodurch natürlich die Zeiten litten. Der geringere Grip der Regenreifen half da nicht gerade. Der Wagen stellte abermals seine Zuverlässigkeit unter Beweis, sodass unser zweiter Fahrer Krombi ebenfalls mit Regenreifen ins Rennen ging. Die Strecke war bereits etwas getrocknet und so nutzte Krombi die besseren Verhältnisse gegen Schluss noch dazu, ein paar sehr schnelle Runden reinzuknallen. Leider waren wir als eins von 3 Teams mit Regenreifen durchgefahren, was uns Zeit kostete. Wir freuten uns aber dennoch ausgiebig über die sehr gute Platzierung.

 

Während der Endurance Bewerb weiterging, begannen wir bereits die Box auszuräumen, denn um spätestens 19:30 mussten wir draußen sein. Bei unseren Freunden vom Racing Team der TU Wien kam es jedoch zu größeren technischen Problemen, weshalb deren Start ganz ans Ende des Bewerbs verschoben wurde. Zum Glück konnten die großartigen Ingenieure den Elektrorenner noch in Gang setzen, und so trugen wir die beiden Fahrer der TU, unter Einsatz aller vor Ort weilenden Wiener Stimmen, tatkräftig über die Strecke. Die TU konnte schließlich auch zu Ende fahren und so stand einer großartigen Abschlussparty nichts mehr im Wege.

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Abreise und Abschluss:

Am nächsten Morgen startete die Räumung des Quartiers. Noch sichtlich gezeichnet von der langen Partynacht startete der Konvoy in Richtung Wien. Dort wurde die neue Werkstatt das erste Mal besichtigt, und unser CR116 in sein neues Heim gebracht. Nach der besten Saison des OS.Car Racing Teams darf er nun als Modell für einen hoffentlich ebenso erfolgreichen CR117 dienen. Die Geschichte geht weiter, bleibt dran…

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Noch ein paar Zahlen:

 

 

Spielberg 2016

Györ 2016

Steigerung

Static

150,6

224

149%

Dynamic

163,5

300,1

184%

Overall

314,1

524,1

167%